Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Gremmels eröffnet Frankfurter Buchmesse

Kunst- und Kulturminister Gremmels eröffnet Frankfurter Buchmesse: „Bücher machen Mut, über den eigenen Höllenschlund zu springen“. Hessischer Gemeinschaftsstand macht Vielfalt in Literatur und Land sichtbar.

Literatur hilft, Spaltungen zu überwinden, und macht Vielfalt sichtbar: Mit dieser Botschaft hat Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels die Frankfurter Buchmesse eröffnet. In seiner Rede verglich er den Kampf gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft mit Astrid Lindgrens Roman „Ronja Räubertochter“: In der Geschichte freunden sich die Kinder zweier verfeindeter Familien an und springen über den Höllenschlund, der die gemeinsame Burg in zwei unversöhnliche Teile geteilt hat. Die Frankfurter Buchmesse läuft vom 7. bis zum 11. Oktober.

Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels: „Bücher eröffnen fantastische Welten und zeigen, dass es mehr als eine Art gibt, zu leben. Sie machen Mut, die eigenen Ängste zu überwinden. Unser Hessischer Gemeinschaftsstand steht deshalb in diesem Jahr unter dem Motto ,Hessen – Que(e)r gelesen‘. Dort machen wir die Vielfalt in der Literatur und in unserem Land sichtbar. Das ist gerade in einer Zeit essentiell, in der in anderen Ländern Bücher über queere Kinder, Rassismus oder Familien, die nicht dem traditionellen Bild entsprechen, aus Schulbibliotheken verschwinden. Es gibt in diesem Land wieder eine starke politische Kraft, die vorgeben will, welche Lebensformen normal sind und welche nicht. Der Riss geht mitten durch unsere Gesellschaft, manchmal mitten durch Familien. Bücher machen Mut, über diesen Höllenschlund zu springen.“

Am Gemeinschaftsstand „Literatur in Hessen“ (Nummer D 87 in Halle 3.0) laden das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, der Hessische Literaturrat und der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu Begegnungen, Lesungen und Gesprächsrunden ein. Der Stand bietet literarischen Kulturinstitutionen und kleineren hessischen Verlagen einen Auftritt auf einer der wichtigsten Buchmessen der Welt. Das gesamte Programm ist unter kunst.hessen.de/buchmessestand abrufbar. Themenschwerpunkt in diesem Jahr ist „Hessen - que(e)r gelesen“. Im Mittelpunkt stehen literarische Perspektiven auf unterschiedliche Lebensrealitäten und gesellschaftliche Vielfalt – darunter queere Lebensweisen, Migration, Herkunft und soziale Unterschiede. Der Hessische Gemeinschaftsstand bietet damit Raum für Geschichten und Themen, die in der Literatur lange wenig sichtbar waren, und lädt dazu ein, vertraute Perspektiven zu hinterfragen und neue zu entdecken.

Veranstaltungen für alle Besucherinnen und Besucher

Vom 9. bis zum 11. Oktober ist die Frankfurter Buchmesse für alle geöffnet. Diese Highlights erwarten die Besucherinnen und Besucher an den Besuchertagen am Stand „Literatur in Hessen“ (Nummer D 87 in Halle 3.0):

Freitag, 9. Oktober 2026

Um 11.30 Uhr liest Thomas Sparr aus seinem Buch „Come Out – Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte“ ein. Das Buch erzählt die Geschichte des Aufstands in der New Yorker Christopher Street und seiner Bedeutung für die queere Emanzipationsbewegung. Um 12 Uhr stellt der Robert-Gernhardt-Preisträger Martin Piekar seinen neuen Roman „Vom Fällen eines Stammbaums“ vor. Um 14 Uhr steht das 35-jährige Jubiläum des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen im Mittelpunkt. Ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger blicken auf ihre Anfänge zurück, lesen aus ihren Siegertexten und geben Einblicke in ihre heutige literarische Arbeit.

Samstag, 10. Oktober 2026

Um 12 Uhr liest und spricht Christine Koschmieder über „Ein Haus für mich“. Die Autorin war Stipendiatin des Hessischen Literaturstipendiums in Vilnius. Um 12.30 Uhr wird mit „Lüders’ Liste. Marie-Elisabeth Lüders im Kampf gegen den Nationalsozialismus“ eine bislang wenig bekannte Facette deutscher Geschichte vorgestellt. Ludger Fittkau präsentiert seine Publikation über die Politikerin und Frauenrechtlerin Marie-Elisabeth Lüders und ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Um 15 Uhr folgt mit „JOHNNY quer gelesen“ ein Einblick in die Vielfalt der Literaturzeitschrift von gestern bis heute – als Speeddating.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Um 13 Uhr werden die Preisträgerinnen und Preisträger des Horst-Bingel-Preises für Literatur 2026 und ihre Werke vorgestellt. Um 14 Uhr präsentiert die aus Tschechien stammende Lyrikerin Marie Iljašenko ihren neuen Gedichtband „Menschen hören überhaupt nur sehr wenig“. Iljašenko ist ehemalige Stipendiatin des Hessischen Literaturstipendiums – ein besonderer Akzent im Programm vor dem Hintergrund des diesjährigen Gastlandauftritts Tschechiens. Um 16.30 Uhr stellt der tschechische Autor Petr Šesták seinen Roman „Ausgebrannt“ vor. Šesták war ebenfalls Stipendiat des Hessischen Literaturstipendiums.

Veranstaltungen für das Fachpublikum

Auf folgende Veranstaltungen an den Tagen für das Fachpublikum möchten wir besonders hinweisen:

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Um 12 Uhr liest der tschechische Autor Pavel Novotný aus seinen Texten. Novotný ist Stipendiat des Hessischen Literaturstipendiums. Um 14.30 Uhr werden die Gewinner des Hessischen Verlagspreises 2026 vorgestellt. Die Frankfurter Verlagsanstalt erhielt den Hauptpreis, die Büchergilde Gutenberg den Sonderpreis. Um 15.30 Uhr folgt „Endlicher Spaß. Zur Kunst des Übersetzens“ mit dem diesjährigen Johann-Heinrich-Voß-Preisträger für Übersetzung, Ulrich Blumenbach, und Daniel Göske von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Anschluss findet der Empfang des Hessischen Gemeinschaftsstands mit Minister Gremmels statt.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Um 11 Uhr steht mit „Neue Stimmen der Vielfalt – Das Buntstift-Stipendium für queere Kinder- und Jugendliteratur“ ein neues Förderinstrument des Landes Hessen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung mit der Buntstift-Stipendiatin Natascha Schmitz und Minister Gremmels gibt Einblicke in die Entstehung eines neuen literarischen Projekts und zeigt, wie gezielte Förderung neue Stimmen und vielfältige Lebensrealitäten in der Kinder- und Jugendliteratur sichtbar machen kann. Um 14 Uhr diskutiert das Panel „Darf man das noch so schreiben? Kinderbücher im Spannungsfeld von Vielfalt und Tradition“ mit der Verlegerin Sina Hauer, dem Autor Marcel Kahl und der Sensitivity Readerin Anna Mendel über die Darstellung unterschiedlicher Lebensrealitäten in Kinderbüchern, den Umgang mit älteren Texten und die Rolle von Sensitivity Reading im Entstehungsprozess von Literatur.